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                                                Iles d’Hyères – Inselperlen vor der Côte d’Azur

                    Reif für die Insel?

Paddeltouren rund um einsame Inseln haben ihren ganz besonderen Reiz. Am besten, man hat sein Zeltgepäck und genug zu essen und trinken an Bord. Dann ist man unabhängig und kann anlanden, wo’s einem beliebt. Von Land aus unzugängliche Strände und Badebuchten laden zum Verweilen ein. Inseltrekking fernab verbauter Urlaubsküsten bedeutet auch autofreies Rundreisen, denn das sonst lästige Autonachholen entfällt. Der Startort ist auch das Ziel fast jeder Inselreise. Allerdings läuft beim Küsten- und Meerespaddeln nicht immer alles nach Plan. Denn Wind und Wellen haben ein gehöriges Wörtchen mitzureden. Man braucht oft viel Zeit, Geduld und alternative Urlaubsideen, wie der folgende Reisebericht zeigt.                                                                                                                                                                              

Ein romantischer, klappriger Steg, bunte Fischerboote und jede Menge blauer Himmel über dem Kopf: So stellt man sich das frühlingshafte Mittelmeer vor

Und dann hinaus in die weite Inselwelt mit Zelt, Schlafsack, Proviant und genug Rotwein an Bord

Und an jedem stillen Sandstrand wird angelandet zum Pausieren, Aufwärmen und Philosophieren... Wie schön kann das Leben sein!


Knallblau leuchtet der wolkenlose Himmel überm weiten Mittelmeer. Das grelle Licht der klaren Morgensonne ist nur mit Sonnenbrille zu ertragen. Eine fantastische Fernsicht lässt den Horizont und die weißen Strände und steilen Klippen der Iles d’Hyeres durchs Fernglas konturenscharf erscheinen. Verführerisch liegt die hüglige, autofreie Insel Porquerolles nur einen Katzensprung entfernt. Doch leider ist sie heute für uns unerreichbar – jedenfalls in Kajaks! Denn harte Windböen pfeifen durch die windschiefen, verkrüppelten Pinien und Kiefern am Cap de l’Esterel, wo wir soeben angelandet sind. Hier am östlichen Zipfel der Presqu’île de Giens müssten wir zwecks Überfahrt nach Porquerolles aus dem Wind- und Wellenschatten der T-förmigen Halbinsel heraus. Wir haben es vor einer halben Stunde angetestet. Es scheint uns nicht unmöglich, aber zu gefährlich, zumal der kalte Nordwestwind immer noch mehr zulegt. Die direkte, etwa einstündige Überfahrt nach Porquerolles im Süden bedeutet ein Paddeln quer zu den sich immer stärker aufbauenden Wellen, die bereits weiße Schaumkronen tragen. Trotzdem, wir geben noch nicht auf!

Vielleicht klappt die Überfahrt ja mit einem Zwischenstopp auf der kleinen Leuchtturminsel Île du Grand Ribaud, die im Westen zwischen Giens und Porquerolles liegt. Gegen den Wind dorthin erscheint zwar mühsam, aber machbar. Auf der im Windschatten gelegenen Nordostseite entdecke ich durch das Fernglas einen kleinen Sandstrand, der zum Anlanden und Ausruhen taugt. Dort können wir erneut die Lage peilen und überlegen, ob ein dann folgender Vorwindritt hinüber zum windgeschützten Plage d’Argent auf Porquerolles gefahrlos möglich ist.

Verdammter Mist: Gegen den Mistral ist kein Ankommen. Er fegt die Kajaks mit Windstärke 8 vor sich her!

Gedacht, getan! Wir steigen wieder in die Kajaks und kämpfen uns mühsam Meter für Meter gegen den Wind, der an den Kajaks, Muskeln und Nerven zerrt. Aber wir schaffen es bis zum Windschattenstrand auf der hübschen Île du Grand Ribaud, der sich sogar zum Biwakieren eignet. Kurzfristig tragen wir uns mit dem Gedanken, hier einfach unser Zelt aufzubauen, um die Sonne, die Ruhe und das Kanutenleben in hübscher Inselidylle zu genießen. Über uns kreisen Möwen, welche die blumenübersäte Insel bevölkern und jetzt Mitte April gerade Brutzeit haben. Die Mini-Insel scheint unbewohnt, obwohl 2 verfallene Bootsstege und ein vergammeltes und verrammeltes Herrschaftshaus auf andere Zeiten hinweisen. Merkwürdig, dass dieses Inseljuwel mit mehreren Badestränden nur wenige hundert Meter vor der touristisch übervölkerten Côte d’Azur nicht irgendeinem Ölscheich oder Großyachtbesitzer als Basislager dient. Aber hier auf den Iles d’Hyeres scheint alles etwas anders und schöner zu sein als an der übrigen Urlaubsküste Südfrankreichs. Die Inseln genießen als Nationalpark offensichtlich einen besonderem Schutz vor touristischer Verbauung und Inbesitznahme durch moderne Kolonisten.

Die zerrupfte Vegetation zeigt auf den ILES D'HYERES an, woher der Wind hier weht!

Trotzdem, wir haben noch keine Lust auf eine längere Windpause! Dazu sind wir noch zu frisch und ausgeruht. Wir sind ja erst vor wenigen Stunden tatendurstig vom Campingplatz „Eurosurf“ am Oststrand der Halbinsel Giens zu unserer Insel-Trekkingtour gestartet. Doch schnell spüren wir deutlich: Nicht Lust und Laune der Kanuten  bestimmen Dauer und Weg von Paddeltouren auf den Iles d’Hyeres, sondern der gefürchtete Mistral, der das Leben aller Wassersportler östlich von Marseille maßgeblich bestimmt. Kaum haben wir den Windschatten der Pauseninsel verlassen, da haut es uns fast die Paddel aus den Händen. Schlagartig wird klar: Das ist kein lokaler, bald nachlassender Wind, sondern tatsächlich der Mistral, der sich zwischenzeitlich zu voller Stärke entfaltet hat. Im spitzen Winkel gegen die Windrichtung anpaddelnd versetzen wir unsere Kajaks wieder hinüber zum Festland und schaffen es mit letzter Kraft, den kleinen, windgeschützten Fischerhafen Port du Niel auf der Südseite der Presqu’île  de Giens zu erreichen. Hier hängt eine informative Windkarte und der neuste Seewetterbericht, der unsere bisherigen Vermutungen bestätigt. Die nächsten drei Tage und Nächte ist Mistral in Böen bis 10 Windstärken angesagt. Dieser auch bei Fischern ungeliebte, aber ziemlich verlässlich vorhersagbare Kaltwind entsteht bei einer bestimmten Großwetterlage in den französischen Alpen, düst dann das Rhonetal runter und dreht bei Marseille in Richtung Osten ab. Auf die Iles d’Hyeres knallt er dann aus brutaler Nordwestwind, der Seekajaktouren unmöglich macht.

Unsere 10-jährige Tochter Samira ist bei mir im Zweierkajak eine fast vollwertige Mitpaddlerin, doch bei Sturm ist Feierabend und die Sache wird zu gefährlich!

Geschlagen laufen wir gegen Abend zu Fuß und ziemlich schwankend auf „Vorwindkurs“ zurück zum Campingplatz, nachdem wir uns auf der Aussichtsterrasse eines hübschen Fischrestaurants am Hafen von Port du Niel aus Frust den Bauch mit dem teuersten Menü voll gestopft und die Birne mit bestem Rotwein vernebelt haben. Unsere Blicke wurden dabei allerdings immer wieder von der Festtafel zu den gegen die Felsen  donnernden, tief beeindruckenden Brandungswellen abgelenkt. Später beobachten wir fasziniert eine schreiende Schar Flamingos, die in elegantem, nur ein wenig vom Mistral zerzaustem Formationsflug auf dem Etang des Pequiers niedergeht. Beim Abholen der Kajaks auf dem Autodach überlegen wir krampfhaft ein nettes Kajakurlaub-Alternativprogramm für die Zeit der Mistral-Herrschaft, das zu erstellen für die Gegend allerdings nicht schwer fällt. Ein lohnenswerter Wanderweg – der „Sentier du Littoral“ – führt immer am Rand der Steilküste im Westen von Giens vorbei, im Hinterland liegt die berühmte Verdon-Schlucht, die eine Tagestour lohnt. Man kann auch mit den wenig windanfälligen Boulekugeln spielen – und, wenn einem gar nichts mehr einfällt, den Windsurfern zuschauen, den einzigen Wassersportlern, die mit Freuden die Ankunft des Mistral herbeisehnen. Des einen Frust, des andern Freud!

Natursportler - egal, ob Paddler oder Windsurfer - benötigen stets ein brauchbares Urlaubs-Alternativprogramm für den Fall, dass das Wetter nicht mitspielt! Zum Beispiel radeln!

Die Gegend um Hyeres ist ein Windsurfer-, Kiter- und Katamaransegler-Revier erster Sahne!


Z.B. die Flamingos in den Salz-Etangs beobachten, auch wenn sie viel zu weit weg sind!

Natürlich kann man zur Überbrückung auch einfach mal ein paar Tage rumgammeln.....

Die Halbinsel Giens lässt sich auch schön per Rad erkunden!

Die Insel PORQUEROLLES ist überhaupt eine Fahrradinsel. Mit Auto kommt man da gar nicht hin!

Ein nettes Programm ist auch immer das morgendliche Einkaufen!

Ist auch noch Markttag, dann kann man die Aktion EINKAUFEN fast zu einem Tagesprogrammpunkt ausbauen

Manchmal entdeckt man auch interessanten Trödel, den kein Mensch wirklich braucht......

Ein Tages-Highlight stellt natürlich das Essengehen dar, sofern man die Französische Küche liebt. Mir persönlich gefällt sie kaum!

Da halte ich mich schon lieber in den insgesamt sieben brauchbaren Strandkneipen rund um die Halbinsel von Giens auf!


Wenn man gelangweilt am Strand sitzt und der vom Wind aufgewirbelte Sand zwischen den Zähnen knirscht und die fliegende Gischt der anrollenden Brandung die kalte Luft feucht schwängert, dann kommt man ins Grübeln. Was treiben wir hier eigentlich? Paddeln ist  hier doch unmöglich! Denn ehrlich gesagt, eigentlich sind die Iles d’Hyeres ein Eldorado für Windsurfer und Katamaran-Segler und gehören zu den beliebtesten Starkwindrevieren Europas. Jetzt um die Osterzeit wimmelt es nur so von mit Surfbrettern beladenen Campingbussen auf der Halbinsel von Giens. Wenn diese die Route de Sel auf der Westseite zuparken und hektisch entladen werden, dann ist das ein sicheres Zeichen, dass Mistral-Time angesagt ist. Auch Windstärke 8 ist da für Könner kein Hindernis. Ich weiß, wovon ich rede, da ich mich jahrzehntelang auch in dieser faszinierenden Wassersportszene und am Plage de l’Almanarre getummelt habe, bis mehrere Beinbrüche meine Windsurfsucht bremsten.

Damals hielt ich das Paddeln auf dem Meer – im Vergleich zum Windsurfen und Segeln – für eintönig und langweilig. Mühsam gegen Wind und Wellen ankämpfend auf dem Meer rumschippern erschien mir wenig reizvoll. Doch das war ein Irrtum. Als ich das erste Mal in einem kippligen Seekajak saß und eine beeindruckende Inselsteilküste entlang paddelte, da fand ich das äußerst spannend. Die Vorstellung, hier zu kentern und an der Felswand zu Hackfleisch zermalmt zu werden, ließ den Adrenalinspiegel steigen. Hohe Dünung, brechende Wellen, gefährliche Kreuzseen an spitzen Felsenkaps und der Versuch, Landschaftseindrücke wahrzunehmen und zu fotografieren, erforderten höchste Konzentration und ein Können, dass ich damals natürlich noch nicht besaß. Zwar kannte ich mich als Brandungswindsurfer mit Wind und Wellenbewegungen bestens aus und war gewohnt, ständig den Himmel und die Wetterentwicklung zu beobachten, aber wie man ein schmales Seekajak auf Kurs hält, auf steilen Wellen zum Surfen bringt, blitzschnell wendet und notfalls eskimotiert, das wusste ich damals noch nicht. Doch auch als ich es gelernt hatte, blieb das Meeres- und Küstenpaddeln spannend und die Angst vorm Kentern und Ersaufen allgegenwärtig. Aber die Freude an den sich ständig verändernden Wellen, den vielfältigen Blau- und Türkistönen des Himmels und Meeres, den herrlichen Steilküsten und versteckten Badebuchten ist meist größer als die Angst. Es sei denn, der Mistral oder ähnliche Winde in anderen Ecken der Welt bringen das Adrenalinfass zum Überlaufen. 

Beim nächsten Start probieren wir es im Hafen von la Madrague. Da müssen wir mit dem PKW von Jan hin, da unser Bus + Hänger den Hafen versperrt!

Mit 2 Zweierkajaks ist der PKW-Dachträger dezent überfordert, aber vom Campingplatz EUROSURF zum Hafen von la Madrague ist es nicht weit!

Die Slipanlage im kleinen Fischerhafen von la Madrague eignet sich bestens zum Kajakstart ins nächste Paddelabenteuer

Der Mistral ist auf dem Rückzug und frühlingshafte Temperaturen lassen eine schöne Tour erhoffen

Diesmal umrunden wir die Halbinsel von Giens entgegen dem Uhrzeigersinn

Vorsicht ist bei den Felsenriffs auf der Südwestseite von Giens geboten


In einer Windstatistik der Region Hyeres habe ich gelesen, dass der Mistral hier an 30% aller Tage weht. Das bedeutet ganz klar: An 70% aller Tage sitzen die Windsurfer gelangweilt am Strand, grübeln über die Sinnhaftigkeit ihres Hierseins und suchen nach alternativer Beschäftigungstherapie, als da wären Wandern, Radeln und Boule spielen. Dann schlägt die Stunde der Paddler!

Unseren zweiten Versuch starten wir bei einschlafendem Mistral und besser vorbereitet im kleinen Fischerhafen von la Madrague an der großen Westbucht der Halbinsel Giens. Der hier aushängende Wetterbericht deckt sich mit unseren neusten Wind-Infos aus dem Internet. Wir wollen nun endlich die herrliche Steilküste vom Wasser aus in Augenschein nehmen, die wir bisher nur vom Rundwanderweg genossen haben. Aus Sicherheitsgründen benutzen wir diesmal kippstabile Zweierkajaks. Es klappt! Endlich kann unser Paddelurlaub beginnen.

Genussvoll schaukeln wir auf immer noch recht hoher Dünung in respektvollem Abstand an den mit Grotten und kleinen Höhlen durchsetzten Steilwänden entlang. Starke Widerwellen und Kreuzseen sorgen hier immer noch dafür, dass wir den Austausch schmaler, kippliger Einerkajaks gegen die etwas klobigen, aber kentersicheren „Excursion“-Zweierkajaks nicht bereuen. Oben vom Klippenrand winken uns ziemlich viele, winzig klein erscheinende Menschen zu. Das sind jetzt sicher all die Starkwindsurfer, denen wir drei Tage lang zugeschaut haben - und die jetzt im Kampf gegen die Langeweile wandern müssen. So ist das Leben: Des einen Lust, des andern Leid!


Als wir so am sonnigen Ostersonntag 2004 fasziniert von der Felsenlandschaft und wie wild fotografierend  dahindümpeln, werden wir urplötzlich von zahlreichen, schnittigen Segelyachten „überrollt“ und eingekeilt. Wir sind ganz erschrocken, weil wir den unter voller Beseglung mit bunten Spinnakern herandüsenden Booten wie Treibholz im Weg rumschwimmen und gar nicht wissen, wohin wir ausweichen sollen. Wo kommen denn die auf einmal so schnell her? Schon beim Start heute morgen war mir in großer Entfernung – vermutlich von Toulon kommend – eine riesige Segelboot-Armada aufgefallen. Ich dachte mir schon, das muss eine Oster-Regatta sein. Ab dass die ca. 40 Hochseeyachten hier vor der tückischen Steilwand von Giens aufkreuzen, daran hätte ich im Traum nicht gedacht. Wie können wir uns möglichst auffällig und crashfrei aus der Affäre ziehen? Wer hat hier eigentlich Vorfahrt? Sollen wir noch näher an die Felswand ran und uns den gefährlichen Widerwellen aussetzen? Die Antwort auf diese Frage erübrigt sich, als zwei Yachten haarscharf innen an uns vorbeirauschen, beinahe in den Luvstau der hohen Felswände geraten, aber gerade noch die Kurve kratzen und ihren fluchenden Konkurrenten, die außen an uns vorbei müssen, damit einige Meter abnehmen. Donnerwetter, dass ist keine Dilettanten-Regatta mit dickbäuchigen Freizeitkapitänen. Die hier unterwegs sind, die verstehen ihr Handwerk. Aber nur gut, dass Segelyachten keine Hupen haben, sonst wäre jetzt ein ziemlicher Lärm hinter uns. Egal, ich habe aufgehört mir Sorgen um eine mögliche Wettbewerbsverzerrung durch unser im Wegrumstehen zu machen und die Kamera wieder ausgepackt. Einige Bootsbesatzungen winken mir freundlich ins Objektiv. Vielleicht halten sie uns für waagemutige Berichterstatter einer Yacht-Zeitschrift.

Diese Yachtbesatzungen kennen sich bestens aus im Revier, sonst würden sie es nicht wagen, auf der Innenseite von uns zu überholen


Bei Meerestouren in unbekannten Gefilden stellt sich immer die spannende Frage: Gibt es genügend Anlandeplätze zum Pausieren und Biwakieren .... und für Notfälle aller Art? Aus dem See- oder Wanderkartenmaterial (1.100 000 und 1:25 000) lässt sich das im Vorfeld selten genau ablesen!

Hier haben wir im Windschatten der kleinen Insel ILE DU GRAND RIBAUD einen noch kleineren Kiesstrand zum Anlanden gefunden. Wenn der Wind hier auflandig kommt, gibt es keinen Kiesstrand mehr.

Samira muss mal den Rücken entspannen, die anderen haben Hunger und ich suche Motive zum Fotografieren


Bald schon ist die Yacht-Regatta wie ein Spuk an uns vorbei und draußen hinter der Insel Porquerolles verschwunden. Auch wir nutzen die Gunst der Stunde und peilen vom Pointe du Rabat auf Giens direkt die Westspitze von Porquerolles an. Auf „Vorwindkurs“ schiebt uns eine mächtige Dünungswelle die vier Kilometer bis zum Pointe du Grand Langoustier auf Porquerolles vor sich her. Das ist eine spannende Sache, da durch die Petite Passe einer reger Schiffsverkehr herrscht und zu befürchten ist, dass wir von irgendeiner lärmenden Inselfähre oder Motoryacht übersehen und versenkt werden. Die Signalpistole mit sechs roten Leuchtkugeln steckt griffbereit in meiner Schwimmwestentasche. Doch in einer dreiviertel Stunde sind wir unversehrt durch und landen im Windschatten einer alten Festungsruine auf der Île du Petit Langoustier an einem kleinen Kiesstrand an. Geschafft! Mittagspause. Auch diese nur für Kanuten leicht zugängliche Mini-Insel eignet sich für ein wildromantisches Zeltbiwak, aber wir sind noch nicht satt! Heute werden wir noch so viel wie möglich von der wunderschönen Inselküste Porquerolles erkunden, denn für morgen sagt der per Handy-SMS eingeholte Seewetterbericht Starkwind bis 10 Windstärken aus Ost voraus. Da wird es mit der Weiterfahrt schwierig und die große Überfahrt zur Île de Port-Cros unmöglich. Dann ist wieder Geduld angesagt - und ein alternatives Urlaubsprogramm. Doch das kann uns nicht weiter erschüttern, denn auf Porquerolles gibt es schöne Fischrestaurants, edle Rotweine, einen Lebensmittelladen, zahlreiche Wanderwege und einen Mountainbike-Verleih. Für den extremen Notfall bei Dauersturm haben wir noch die Boule-Kugeln an Bord.  

Wir sind noch gar nicht auf Porquerolles. Nur wissen wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht, da wir nicht so genau die Karte studiert haben!

Diese verfallenen Festungsruine steht auf einer Mini-Insel mit unaussprechbarem Namen (jedenfalls für mich). Aber sie ist nur wenige Meter von Porquerolles entfernt


Es gibt viel zu sehen und zu erleben rund um die ILES D'HYERES. Das Problem ist nur, das der Wind bestimmt, in welcher Reihenfolge!

Heute schaffen wir es noch, ein Stück an der von etlichen, großen Sandbuchten unterbrochenen Westküste von Porquerolles entlang zu paddeln. Es ist schön!

In den großen Sandbuchten mit blauem, glasklar erscheinendem Wasser ankern Yachten aus aller Welt, die es hier auch schön finden!

Natürlich laden die Sandstrände zum Pausieren ein. Zum Baden ist es jetzt Anfang April noch etwas zu frisch!

Natürlich statten wir auch der Inselhauptstadt Porquerolles einen Besuch ab, obwohl es hier verdammt laut und hektisch ist. Ständig kommen uns Fähren in die Quere.

Im Hafen von Porquerolles können wir bequem anlanden. Wir lesen den neusten Seewetterbericht!  Mist! Das kann doch nicht wahr sein! Es ist schon wieder vorbei mit dem idealen Paddelwetter. Die ganze Wetterlage schwenkt um und in den nächsten Tagen kommt heftiger Sturm bis Windstärke 10 aus Osten! Wir glauben dem Wetterbericht erst, als wir am nächsten Tag das Meer vor uns mit eigenen Augen sehen.....

Na, würdest Du bei diesem Anblick dein Kajak zum Strand ziehen und weiter paddeln? Wir nicht! Stattdessen packen wir wieder mal die Boule-Kugeln aus! Es ist Hardcore-Surftime!


 
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