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Historie meiner HP
-1.Rund ums Kanu-
Wieso kanukassel?
KANU-Magazin einst
KANU-Interview
OUTDOOR-Storys u.a.
REISEBERICHTE
FAMILY ON TOUR
Highlight LOFOTEN
AALAND-Kajak
Abenteuer ARDÈCHE
GORGES du TARN
CEVENNEN 2013
BUCH-"BAUSTELLE"
DONAU-PADDELBUCH
Donautag 1 - 3
Donautag 4 - 6
Donautag 7 - 9
Donautag 10 - 12
Donautag 13 - 15
Donautag 16 - 18
Donautag 19 - 20
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ELBE im KANU 2011
Elbe-TAGEBUCH 2011
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- 2.Rund um Wind -
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Lac du SALAGOU 014
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PFERDESPORT
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WINTERSPORT
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KAUNERTAL 2013
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- 5.Basislager -
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KERAMIKPROJEKTE
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Wieso kanukassel?  KICK HIER!   http://www.kanukassel.de/9554.html


Inhalt 
Vorwort

Eine bunt gemischte Donau-Crew von Teeny bis Grufty

Vom Reiz des Kanuweitwanderns

Moderne Nomaden

Von der Freundlichkeit der Donaumenschen

Flusstagebuch „Passau – Wien“ vom 22. Juli bis 9. August

- Tag 1: Samstag, 22. Juli

- Tag 2: Sonntag, 23. Juli

- Tag 3: Montag, 24. Juli

- Tag 4: Dienstag, 25. Juli

- Tag 5: Mittwoch, 26. Juli

- Tag 6: Donnerstag, 27. Juli

- Tag 7: Freitag, 28. Juli

- Tag 8: Samstag, 29. Juli

- Tag 9: Sonntag, 30. Juli

- Tag 10: Montag, 31. Juli

- Tag 11: Dienstag, 1. August

- Tag 12: Mittwoch, 2. August

- Tag 13: Donnerstag, 3. August

- Tag 14: Freitag, 4. August

- Tag 15: Samstag, 5. August

- Tag 16: Sonntag, 6. August

- Tag 17: Montag, 7. August

- Tag 18: Dienstag, 8. August

- Tag 19: Mittwoch, 9. August

- Tag 20: Donnerstag, 10. AugustInfokästen

Infokasten 1: Die Logistik bei Weitwandertouren

Infokasten 2: Notwendige Fluss-Infos und Donau-Literatur

Infokasten 3: Geeignete Kanus für die Donau

Infokasten 4: Kennzeichnungspflicht für Kanus

Infokasten 5: Das Tourengepäck für Kanus

Infokasten 6: Die Touren- und Etappenplanung: Plan A – Plan B – Plan C

Infokasten 7: Wo kommt man am besten rein und raus?

Infokasten 8: Geeignete Campingplätze für Wasserwanderer

Infokasten 9: Wildes Zelten im Uferbereich

Infokasten 10: Baden in der Donau

Infokasten 11:Gesundheit und körperliche Fitness

Infokasten 12: Geeignete Nahrung auf Langstreckentouren

Infokasten 13: Erste Hilfe und Bordapotheke

Infokasten 14: Mückenschutz und Zeckenimpfung

Infokasten 15: Die Schiffswellen, der Schiffsverkehr und seine Regeln

Infokasten 16: Die 10 Staustufen der Donau zwischen Passau und Wien

Infokasten 17: Die Landschaft zwischen Passau und Wien

PASSAU – WIEN im Kurztelegramm

Autorenporträt   


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Den bekannten Abenteurer, Familienpaddler  und Buchautor Gerd Kassel hat es diesmal aus der Wildnis auf die zivilisierte Donau – den zweitgrößten Strom Europas – verschlagen. Dass es auch hier zwischen sehenswerter, alter Kultur, idyllischer Flusslandschaft und moderner Donauschifffahrt recht abenteuerlich zugehen kann, darüber erzählt er in diesem ersten von mehreren geplanten Donauführern, die ihn und seine Familie bis zum Schwarzen Meer führen werden. Band 1 – zusammen mit einer Video-Begleit-DVD – informiert und animiert so vortrefflich, dass der Leser die Donau sicher bald selbst mit Zeltgepäck in Angriff nehmen möchte.

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Vom Pollner-Verlag bekam ich den Auftrag, einen Flussführer WIEN - BUDAPEST zu schreiben. Doch wir fingen schon im PASSAU an und kamen wegen gefährlichen DONAU-Hochwassers nur bis kurz hinter Wien.

 

 


 


Entgegen vorheriger Zusage veröffentlichte der POLLNER-Verlag - www.Pollner-Verlag.de - mein FERTIGES Donau-Manuskript PASSAU - WIEN nicht. Damit meine Arbeit nicht für die Mülltonne war, veröffentliche ich mein DONAU-Buch-Manuskript WIEN - PASSAU samt Fotos und youtube-Video-Clips nun eben in meiner eigenen "Zeitung" 


 




Eigentlich hatte ich geplant, in mehreren Sommern von PASSAU bis ins SCHWARZE MEER zu paddeln und darüber einen MEHRTEILIGEN Flussführer zu schreiben. Doch starke gesundheitliche Probleme stoppten meinen Tatendrang (Siehe hierzu auch die Sonderseiten:  http://www.kanukassel.de/532632.html )


 


 


Diesem DONAU-Projekt ging eine längere Planung und Suche nach Mitpaddler/innen voraus. Siehe hierzu auch die Sonderseite: http://www.kanukassel.de/274341/index.html


 


 


Letztlich waren wir mit 9 Leuten in 8 Kajaks knapp 3 Wochen unterwegs, ehe uns Hochwasser stoppte. Geplant waren 6 Wochen bis Budapest.


 


 


 


 


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Vorwort 

Das Wichtigste gleich vorneweg: Es lohnt sich, die Donau zu paddeln. Als Max Pollner, der Chef von „Europas größtem Verlag für gute Kanuliteratur“, mir anruft, um anzufragen, ob ich Interesse habe, ein Kanubuch über die Donau von Wien nach Budapest zu schreiben, da bezweifle ich das noch! Tage- oder wochenlanges Paddeln auf einer Großschifffahrtsstraße, einem total verbauten Fluss, einem Kanal? Nein Danke! Das ist nicht unser Ding! Aber: Ich kenne die Donau nicht wirklich – nur ein paar Abschnitte im Oberlauf, wie den Donaudurchbruch – und erbitte mir bei Max Pollner Bedenkzeit. Ich muss erst Mal Donau-Infos sammeln und mich kundig machen.

Mein Interesse an einem der größten Flüsse der Welt und dem zweitgrößten Strom Europas steigt, als ich erstmals übers Internet von der TID (Tour International Danubia) erfahre. „Erstmals“ ist falsch! Erstmals Genaueres, das ist richtig. Da paddeln seit mehr als 50 Jahren bis zu 300 Kanuten aus den Donaustaaten Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien und auch woanders her in einer gut organisierten Gemeinschaftsfahrt mit Zeltgepäck etwas mehr als 2000 km in etwas mehr als 2 Monaten jährlich die Donau hinunter. Das würde doch kein Mensch machen, wäre die Donau nur ein langweiliger Großschifffahrtskanal!

Auf der österreichischen TID-Seite www.tid.at finde ich interessante Details und spannende Tourenberichte. Da gibt es mit allen Wassern gewaschene Donau-Experten, die seit vielen Jahren bei der TID mitpaddeln und jede Donauwelle mit Vornamen kennen. In Anbetracht dieser Tatsache wundere ich mich, dass es nur wenige kanuspezifische Donaubücher außer dem speziellen DKV-Auslandsflussführer Band 9 „Die Donau und Nebenflüsse“ in der Auflage von 2005 gibt. Eins ist uralt und verpönt und eins ist ziemlich neu mit vielen  Fotos. Zuerst lese ich das alte von Lothar-Günther Buchheim, was mir einen Fluss- und Menschencharakter vermittelt, den es wohl heute so nicht mehr gibt. Beim Betrachten des sehenswerten Foto-Buches „Die Donau“ von Manfred Fiala werde ich zusehends stärker interessiert.

Dieses animierende Donau-Bilderbuch zeige ich nun meiner Frau Astrid und meiner Tochter Samira, die natürlich mit entscheiden, ob wir die nächsten Jahre auf Donauwanderschaft gehen. Besonders die Fotos von den schönen, naturbelassenen Donaustränden und den badenden Menschen dort tun es meinen beiden Frauen an. Sie sind sowieso stets an Weitwandertouren in warmen Gefilden interessiert und nun auch an einer Befahrung der Donau. „Ob man wirklich in der Donau baden kann?“ wollen sie wissen. Ich auch! Im Internet entdecke ich die Information, dass vor nicht allzu langer Zeit ein Forschungsschiff der EU mit Wissenschaftlern aller Donau-Anrainerstaaten von Deutschland bis zum Schwarzen Meer unterwegs war, um die Gewässergüte zu untersuchen. Das Ergebnis: Alles wird besser! Im Klartext: Die armen Länder Südosteuropas sind noch nicht in der Lage, alle Abwässer nach EU-Norm zu reinigen – aber auf dem Weg dorthin. Was schließen wir daraus? Baden auf eigene Gefahr! Als Info im Voraus: Immer wenn es kalt ist und das Donauwasser stinkt, dann verzichten wir aufs Donaubad. Aber an sonnigen, heißen Tagen und schönen Stränden fernab von größeren Städten bei halbwegs sauber aussehendem Wasser, da kennen wir keine Gefahr. Und wir bekommen weder Durchfall noch Hautausschlag oder bemerken später Langzeitschäden.  

Bei den weiteren Überlegungen trage ich mich mit dem Gedanken, uns einfach der TID anzuschließen – nicht auf der ganzen Länge, aber für die jeweils sechswöchige Dauer unserer wechselnden Sommerferienmonate. Bei der TID planen, organisieren und denken andere, fluss- und landeskundige Spezialisten für uns. Wir brauchen uns nur anzumelden, die Gebühr zu bezahlen, ein Attest vorzulegen, das uns Fitness bescheinigt und schon sind wir alle Donau-„Sorgen“ los. Aber genau das gefällt mir nicht.

Wir planen und organisieren Touren aller Art nämlich am liebsten selbst. Wäre das anders, dann wären wir Pauschaltouristen. Sind wir aber nicht. Im Gegenteil! Wir meiden jede Art von Massentourismus. Größere Menschenansammlungen, die nach anderer Leute Pfeife tanzen, sei es in Hotels, Ferienanlagen, Robinson-Clubs, Kasernen, an Stränden oder bei Paddelausflügen, die sind uns zuwider! Was nicht heißt, das wir am liebsten und meist allein unterwegs sind. Im Gegenteil. Aber wir suchen uns die Leute vorher gerne selber aus, mit denen wir unterwegs sein wollen. Doch das klären wir später.

Jetzt steht erst mal fest: Wir wollen! Aber was genau? Erstens von A nach B die Donau paddeln, zweitens darüber schreiben, drittens jede Menge Fotos machen und viertens einen Videofilm als Buchbegleit-DVD drehen. Was uns nicht so passt: Unser sich urplötzlich  bereits im Planungsstadium befindliches Donauabenteuer auf die von Max Pollner gewünschte Strecke Wien – Budapest zu reduzieren.

Am liebsten erkunden wir während längerer Urlaubsreisen sehenswerte Landschaften und Paddelreviere im „Komplettpaket“. Drei Beispiele: Die italienische Insel Elba haben wir in Kajaks umrundet und mit dem Rucksack durchwandert. Den französischen Tarnfluss erleben wir per Kanu, Rad und Rucksack .Deshalb müssen unsere Reiseregionen klein und überschaubar sein wie das norwegische Kanuland Femundsmarka. Über diese drei kleinen Paddelreviere – Insel, Fluss, See – habe ich drei kleine Paddelbücher geschrieben.

Von „klein“ kann allerdings bei der Donau keine Rede sein.

Die Donau ist mit 2850 km der zweitgrößte Strom Europas und 10 Länder haben Donauufer: Deutschland 644 km, Österreich 350 km, Slowakei 172 km, Ungarn 416 km, Kroatien 137 km, Serbien 588 km, Rumänien 1075 km, Bulgarien 471 km, Moldawien 0,57 km und Ukraine 180 km. 2415 km sind schiffbar. Auf der Donau kann man sich schwindelig paddeln. Das passiert jedes Jahr etlichen Teilnehmern der TID, die in den Monaten Juli und August über genau 2080 km (!) von Ingolstadt nach Silistra in Bulgarien unterwegs sind.

Was soll da ein Donau-Kanubuch über die lächerlichen 300 km von Wien nach Budapest? Das sind ja gerade mal knapp 15 % der TID! Jetzt, wo wir heiß sind auf diesen besonderen Kanuweitwanderfluss, da ist uns die Strecke einfach zu kurz!

 

Sollen wir uns etwa doch der legendären TID anschließen? Nur so bekommen wir in lediglich 2 Sommern ein Donau-„Komplettpaket“ über 2080 km durch 8 Länder geboten! Das funktioniert natürlich nur bei sorgfältiger, exakter Zeit- und Etappenplanung durch Fachleute aller teilnehmenden Donauländer. In etwas mehr als 60 Tagen wird die genannte Strecke vom deutschen Ingolstadt ins bulgarische Silistra bewältigt. Eine solch beeindruckende Paddelleistung mit durchschnittlich 34 Donaukilometern täglich bei Wind und Wetter zwei Monate hintereinander, das schaffen wir niemals alleine. Die TID nähme uns die schwierigsten Logistikprobleme ab: An den zahlreichen Stauanlagen in Deutschland und Österreich würden wir im „Kanuverband“ kräftesparend geschleust und müssten nicht zeitraubend umfahren. Über geeignete Biwakplätze und eine sinnvolle Streckeneinteilung müssten wir uns nicht selbst den Kopf zerbrechen. Sprachbarrieren überwänden wir mit Hilfe landeskundiger Mitpaddler! Ganz zu schweigen vom mühsamen Suchen nach diebstahlsicheren Abstellplätzen für unsere Autos und von der Organisation des Rücktransfers!


Die traditionelle TID als größte und längste Kanuwanderfahrt der Welt mit ihrem sicher ganz besonderen, internationalen Flair geht mir nicht mehr aus dem Sinn! Eines Tages sind wir dabei – aber nicht heute und nicht jetzt! Denn vom Paddeltyp her sind wir zur Zeit eher Binsenbummler als Marathonpaddler! Jeder schöne Donaustrand, der zum Baden lockt, jede gesellige Radlerkneipe, jedes gute Restaurant, jeder idyllische Biwakplatz stoppt unseren Paddeldrang – nicht für immer, aber für Stunden oder Tage. Für uns macht es daher keinen Sinn, unter Zeitdruck zu paddeln, zu fotografieren, zu filmen und zu schreiben. Ein Paddelbuch über die TID zu schreiben, das würde mich schon reizen, aber das würde zu dick und zu teuer – und wer würde es kaufen? Nur Leute wie ich wahrscheinlich. Das lohnt sich für keinen Buchverlag. Leute wie mich gibt es zu selten!

Ich rufe Max Pollner an und erkläre ihm unsere grundsätzliche Lust auf Donau, aber....! Wir wollen von Passau bis zum Donau-Delta! Nicht in einem Sommer und nicht in einem Buch! Aber wir wollen! Koste es, was es wolle!

Auf die bekannten, paddelbaren Flusskilometer in Deutschland können wir verzichten. Hierüber wurde schon geschrieben, hier sind wir schon gepaddelt. Aber dann wird es für uns interessant. Von Passau ans Schwarze Meer sind es noch 2200 km auf der Donau gen Südosten! Kein einziger Meter ist mir davon persönlich bekannt! Auch die hinter Hainburg an der Grenze Österreichs beginnenden Donaustaaten sind noch weiße Flecken auf der Kassel-Karte! Beste Vorraussetzungen also, um wieder mal nach Jahren der Schreib-Unlust als Kanubuch-Autor in Erscheinung zu treten. Aber wenn der Max Pollner keinen TID-Veteranen und Donauwellen-Kenner für diesen Job rekrutieren kann, dann werde ich in den sauren Apfel beißen. Aber ich muss gestehen, ich schreibe gerne über Dinge, Erlebnisse und Abenteuer, die für mich brandneu sind! Das, was ich kenne wie meine eigene Westentasche, das interessiert mich nicht mehr besonders und darüber auch noch monatelang zu schreiben, das ist mir zu langweilig! 

Die altehrwürdige Donau, auf und an der sich schon Jahrtausende lang interessante  Menschheitsgeschichte abgespielt hat, dieser Strom ist für uns neu. Vieles, über was ich hier schreibe, ist für mich neu. Nicht alles! Als natur- und kanubegeisterte Menschen waren wir schon Tausende Kilometer auf den schönsten Gewässern dieser Welt unterwegs, aber noch nie auf einem völkerverbindenden Strom wie der Donau.

In diesem Sommer wollen wir in Passau starten und 5 Wochen später Budapest erreichen. Und nur wenn uns die Donaureise im Kajak Spaß macht, werde ich darüber schreiben! Und wenn es sich lohnt, über diesen Fluss zu schreiben, dann – und nur dann – werden wir die Jahre drauf die Reise zum Schwarzen Meer fortsetzen. Wie viel Donaujahre und Paddelbücher das werden, das steht zur Zeit in den Sternen!

Max Pollner zeigt sich flexibel. Beim ersten DONAU-Trip werden wir kurz hinter Wien durch gefährliches Blitzhochwasser gestoppt und kommen nicht einmal bis Budapest, aber mit dem Buchschreiben soll ich schon mal beginnen. Wir werden sehen, ob was Sinnvolles bei diesem Donauband 1 „Passau – Wien“ herauskommt. Aber wie dem auch sei: im nächsten Jahr werden wir wieder gen Osten unterwegs sein. Einige Mitglieder unserer diesjährigen Donau-Crew werden wieder mit an Bord sein, neue Interessenten haben bereits ihre  Mitreiselust bekundet.


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Eine bunt gemischte Donau-Crew von Teeny bis Grufty 

Die Donau alleine zu paddeln, dazu haben meine Tochter, meine Frau und ich keine Lust. Wir sind gesellige Wesen und ziehen sehr gerne nomadisierend per Boot, Bike und Pedes in Kleingruppen durch die Welt. Es macht uns Spaß, mit anderen gemeinsam im Team zu planen, zu arbeiten, sich zu freuen, zu leiden und abends am Lagerfeuer zu sitzen. Deshalb sind wir bei all unseren Touren immer bestrebt, Mitreisende zu finden, die sich mit uns zum blind funktionierenden „Haufen“ verschweißen (lassen).

Zum Leidwesen meiner noch 11-jährigen Tochter Samira muss ich gestehen, dass auf der Donau erstmals bei einem Kassel-Projekt die Gruftys in der Überzahl sind. Was lässt sich daraus schließen? Ich werde alt!

Normalerweise sind wir erfolgreicher beim Suchen von mitreisenden Familien mit Spielkameraden für Samira. Diesmal winken alle ins Auge gefassten Familien ab: Zu weit, zu lang, zu anstrengend, zu kinderfeindlich! Zu doof? Mist! Samira braucht nicht nur mitpaddelnde Kinderkumpels, ich brauche für Buchfotos und Video-Clips auch halbwegs fotogene, geduldige und möglichst zahlreiche Modells! Wir können uns zu dritt nicht ständig selbst ablichten! Das wird auf die Dauer zu langweilig!

Die Lösung: Kumpelsuche via Internet! In Zeiten allumfassender, internationaler, grenzenloser Kommunikation mit Gott und der Welt besitze ich als fortschrittlicher Mensch natürlich längst eine eigene Web-„Zeitung“. Genauer gesagt seit 4 Jahren, als ich mir beim Sport 5 Knochenbrüche in beiden Beinen zuzog und dringend eine Beschäftigungstherapie für die folgende Auszeit suchte. Meine große Tochter Sina hat mir einfach so eine Domain mit dem sinnigen Namen „kanukassel“ besorgt und mich in die Website-Gestaltung eingewiesen. Und dann hab’ ich losgelegt in dieser virtuellen PC-Welt – aus diversen Unfallkliniken, aus dem Rollstuhl, vom Schreibtisch aus. Bis das Ding aus allen Nähten platzte. Reiseberichte, Horrorgeschichten und Fotos von Jahrzehnte langen Paddelabenteuern und anderen Sportaktivitäten hatte ich mehr als genug. Ich musste nur noch einen robusten Laptop und einen Fotoscanner kaufen, um meine Reisedias von früher internettauglich zu digitalisieren.


Wirklich interessiert für meinen bisherigen Internetauftritt hat sich kaum einer. Warum auch? So eine private Homepage braucht eigentlich kein Mensch, außer als Beschäftigungstherapie in schlechten Zeiten. Jedenfalls hat mir meine HP außer viel PC-Arbeit und ein paar netten Einträgen im „Gästebuch“ bisher nichts eingebracht.

Aber vielleicht jetzt!


Vielleicht bringt uns eine verführerische „Kontaktanzeige“ dort ein paar brauchbare, interessante, junge Mitpaddler/innen fürs geplante Donau-Projekt ein? Jedenfalls beschließe ich, auf meiner Website www.kanukassel.de sofort heute noch eine neue Seite BUCH-„BAUSTELLE“ einzurichten.
Gedacht, gemacht! Seit Planungsbeginn berichte ich in der kanukassel-„Zeitung“ von der Planung, Organisation und Durchführung meines Donaubuch-Projekts – und suche hierfür Mitarbeiter, Mitmacher, Mitdenker, Mitlenker, Mitstreiter – eben neue Paddelkumpane von jung bis alt! Und das klappt!
Meine „Kontaktanzeige“ erreicht ihre Zielgruppe – weniger zielgerichtet, dafür aber rein zufällig! Natürlich sind eine Menge „Blindgänger“ dabei. Das sind Leute, die ’ne begeisterte Mail schicken „Super, ich bin dabei!“ und sich nie wieder melden, geschweige denn blicken lassen. Oder Klugscheißer, die mir nur erzählen wollen, dass sie die Donau ja schon kennen wie ihre Westentasche – mir aber trotzdem keine nützlichen Typs geben können – oder nicht wollen!


Aber schon im Frühjahr stößt Werner, ein flotter Endsechziger, zu uns – über die Suchmaschine „Google“ direkt auf „kanukassel“, wo er gar nicht hin wollte. Eigentlich interessierte ihn nur der Unterschied zwischen „Backbord“ und „Steuerbord“. Eine Stunde später weiß er darüber hinaus noch, dass er uns als Donau-Mitpaddler im Sommer willkommen ist. Im längeren, ungewöhnlich aufschlussreichen Telefongespräch mit ihm stellt sich nämlich heraus, dass Werner jede Menge Paddel- und Outdoorerfahrung besitzt und eine erstklassige Tourenkajakausrüstung. Nur sind ihm im Laufe der Jahrzehnte die noch rüstigen Mitpaddler abhanden gekommen!

Dem können wir abhelfen. Nach einem „Schnupper“-Wochenende in unserem „Outdoor-Basislager“ an einem See im Westerwald ist Werner dabei.


Dann ruft Willi an, ein alter Bekannter aus der Rhön. Das macht er einmal im Jahr. Er ist noch nie gepaddelt, will aber schon seit 15 Jahren endlich mal mit der Kassel-Family on tour. Heute darf er, soll er!  Will er auch wirklich? Egal! Keine Ausrede wird akzeptiert. Mit 58 Jahren ist Willi – als  begeisterter Waldläufer, Sammler und Jäger – noch immer topfit, hat kein Gramm Fett am Bauch – und passt locker in das Cockpit eines engen Tourenkajaks. Außerdem hat er mehr Zeit als Geld. Das ist wichtig, denn wir wollen volle fünf Wochen unterwegs sein. Willi zögert bis zur letzten Minute – dann kommt er mit.


Robert zögert keine Minute! Natürlich kommt er mit auf die Donau! Das Abenteuer wird er sich nicht entgehen lassen, koste es, was es wolle! Nur sein Bauch ist verdammt groß. Er muss erst testen, ob er in ein Kajak passt und dort stundenlang unbequem eingequetscht verweilen kann. Der 48-jährige Robert ist eigentlich von Statur und Erfahrung her ein eingefleischter Kanadiermann, der mich seit Jahren als Betreuer bei meinen schulischen Kanuprojekten begleitet. Als Donautest muss er bei meinem Lahnprojekt im Mai acht Tage lang im Einerkajak von Wetzlar bis zum Rhein paddeln. Denn wir haben beschlossen, die Donau von Passau nach Budapest ausschließlich mit unserer bewährten und robusten Prijon-Kajakflotte zu paddeln. Robert stöhnt, flucht leise und quält sich auf der Lahn – aber auf der Donau ist er drei Wochen im Kajak dabei. Mehr Urlaub bekommt er nicht.


Wenn Thobi sich bei mir meldet, dann liegt was Besonderes an. Thobi ist kein Schwätzer, redet nicht mehr als zwingend nötig. Drei Mal im Jahr schaut er in meine Web-Zeitung, ob da was Interessantes für ihn drinsteht. Das ist immer dann, wenn er seinen Frühjahrs-, Sommer- oder Herbsturlaub plant und keine passenden Mitreisenden findet. Dann schließt er sich einfach der Kassel-Family an. Denn hier ist er willkommen – schon von Kind an. Das hat sein Vater samt Thobi und kleiner Schwester schon vor 20 Jahren so gehandhabt. Heute ist Thobi 30 und für uns ein zuverlässiger Partner in Sachen Abenteuerreisen per Kanu. Er war schon bei gefährlichen Seekajaktouren auf den Lofoten, auf rasanten Wildwassergepäcktouren in Norwegen und Schweden und als geduldiger Mitmacher beim Tarn- und Elba-Buchprojekt dabei. Als er mir kurz und knapp erklärt, dass er fünf Wochen auf der Donau dabei ist, freut mich das sehr. Verwundert bin ich nur, wie er es immer schafft, soviel Urlaub am Stück zu bekommen. Denn Thobi ist kein Hartz-IV-Empfänger, sondern  fähiger KFZ-Techniker in der Motorentwicklung.


Unsere Donau-Mannschaft wächst also. Nur leider sind keine Frauen und Kinder dabei! Das muss mit ein Grund dafür sein, dass ich meine 67-jährige Schwiegermutter Traudel animiere, mit auf die Donau zu kommen. Sie hat zwar wie Willi noch nie gepaddelt und ist gesundheitlich angeschlagen, aber sie versteht sich gut mit ihrer Enkelin Samira. Wenn Samira also fünf Wochen lang auf der Donau schon kein Kind zum Spielen mit an Bord hat, dann wenigstens ihre Oma! Zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung bin ich noch der Meinung, unser Donauprojekt sei eine Anfängertour – jedenfalls im Vergleich zu dem, was wir die Jahrzehnte zuvor so getrieben haben. Oma Traudel unterzieht sich einem persönlichen Eignungstest, indem sie fünf Mal hintereinander um den kleinen Krombachsee im Westerwald paddelt und eine Woche lang zu Hause im Wohnzimmer auf einer Luftmatratze schläft. Als sie das überlebt, kommt sie mit.

Eigentlich ist die Crew jetzt komplett, leicht überaltert zwar, aber guter Dinge. Da ruft Thobi überraschend an und kündigt mir noch einen neunten Donau-Mitpaddler aus seinem Wuppertaler Kanuclub an. Darüber bin ich hoch erfreut. Erfahrene, junge Mitpaddler sind in unserer Crew ja nun ein bisschen Mangelware. Für Thobis Vereinskumpel Hartmut habe ich auch noch ein profitaugliches, kippliges, aber dafür sportliches und schnelles Tourenkajak auf Lager. Als ich Näheres über den neunten Mann wissen will, antwortet Thobi nur gewohnt wortkarg: „Der passt zu uns!“ Na gut! Auf Thobis Urteilsvermögen kann ich mich verlassen.


Etwas perplex reagiere ich wohl, als mir Thobi am Abreisetag  den grauhaarigen, 67-jährigen Hartmut vorstellt – der in der Tat sehr gut zu uns passt. Er ist der fünfte „Graue Panther“ im Bunde. Ärgerlich werde ich aber ein wenig, als ich erst bei den ersten Paddelschlägen auf der Donau Hartmuts Unsicherheit im kippligen BARRACUDA-Seekajak bemerke. Es stellt sich raus, dass Hartmut erst seit 2 Jahren paddelt und nur kippstabile Kanus gewöhnt ist. „Noch ein Pflegefall!“ denke ich leise. Aber das ist ein Irrtum, einer von vielen, wie sich später noch rausstellt.

Also, am 22.7.2006 starten wir mit diesem bunt zusammengewürfelten Haufen guter Dinge zu unserem mehrwöchigen Paddelausflug auf die Donau – mit dem etwas abgewandelten Liedgut auf den Lippen: „Eine Donaufahrt ist lustig, eine Donaufahrt ist schön....“  Dass die vermeintliche Anfängertour zum Abenteuer wird, das ahnt anfangs noch niemand.


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Vom Reiz des Kanuweitwanderns 

Jeder bewusst lebende und nur kurz auf dieser Welt zu Gast verweilende Mensch entwickelt seine persönliche Lebensphilosophie. Warum bin ich hier? Worin liegt der Sinn meines Lebens? Womit schlage ich meine Zeit tot? Was sollte ich noch unbedingt tun, ehe sie mich totschlägt?

Für mich ist im Moment ganz klar: ich muss jetzt noch die große Donau paddeln! Ob das Sinn macht? Ob das gut wird? Ob das keine Zeitverschwendung ist? Keine Ahnung! Man sagt: Zeit ist Geld! Für mich nicht! Für mich ist meine Zeit mein Leben! Jedenfalls nehme ich mir meine Zeit zum Leben! Viele Leute haben im Moment keine Zeit! Doch wenn der Moment vorbei ist, dann ist die Zeit vorbei – die Zeit zum Leben!

Wir sind im Moment eine Zeit lang auf der Donau unterwegs. Und, wie ist es? Kann man so eine Tour weiter empfehlen? Sogar in einem Buch? Haben wir Spaß? Lohnt sich der Aufwand, die Anstrengung, die Zeit?

Das ganze Leben mit seinen Freuden, Leiden, Ärgernissen und Hindernissen ist für mich reine Einstellungssache – so auch das Kanuweitwandern auf großen Flüssen wie der Donau! Habe ich einen schlechten Tag – was jedem mal passieren kann –, dann habe ich auch eine schlechte Einstellung zu dem, was ich den ganzen Tag treibe. Beim Paddeln auf Weitwanderflüssen mit Zeltgepäck könnte die dann so aussehen:

Mein Gott, das soll Urlaub sein? Die halbe Zeit – zumindest stundenlang morgens und abends – rutscht man auf den Knien herum! Warum? Um das Lager in aller Frühe unausgeschlafen abzubauen und das Zeltgepäck in Packsäcke zu komprimieren und in den Kanus zu verstauen und bei Einbruch der Dunkelheit wieder rauszuzerren und im Schein von Stirnlampen wieder aufzubauen. Die andere Hälfte des Urlaubstages verbringt man eingeklemmt mit eingeschlafenen Füßen und krampfenden Arschbacken in den engen Cockpits viel zu kleiner Kajaks. Man paddelt, bis die Hände Blasen werfen, die Schultergelenke schmerzen und die Arme abfallen. Dazu wird man entweder in Überdosis UV-bestrahlt, von Starkregen berieselt oder durch heftige Gewitter bedroht. Eine ätzende Mischung aus Schweiß, Sonnenblocker und saurem Regen brennt wie Feuer in den Augen und führt ohne reizstillende Tropfen beinahe zur Erblindung. Die restliche Tageszeit hockt man hungrig und mit Kreuzschmerzen auf dem harten Boden, baut auf allen Vieren kriechend sein kleines Zelt- und Schlaflager auf, pustet bis zum Schwindligwerden in löchrige Luftmatratzen und bereitet auf rußenden Campingkochern karge Mahlzeiten zu. Dabei kratzt man sich ständig zunehmende Mückenstiche auf oder schmiert sich mit klebrigem Autan ein. Nachts rutscht man frierend oder schwitzend auf zu harten oder zu weichen Luftmatratzen auf schiefen Ebenen herum und freut sich, wenn die quälenden Nachtstunden endlich vorbei sind. Verzichtet man gar auf den Luxus einfacher Campingplätze, verrichtet man sogar die Notdurft mückenabwehrend in schmerzhafter Hocke.


Sieht und empfindet man das Kanuwandern nicht nur gelegentlich, sondern ständig als Arbeit, Last und Selbstverstümmelung, dann hat man in der Tat die falsche Urlaubsaktivität gewählt. Dann sollte man dieses Buch beiseite legen oder gar seinem größten Feind schenken, der immer schon mal Adventure-Tours machen wollte, aber dem die passende Anregung dazu fehlte. 

Ich selbst gehöre zu den Menschen, die das Ungewöhnliche, Neue, Überraschende, Ungeplante lieben, auch wenn es mit Mühen verbunden ist. Ich finde es spannend, wenn ich morgens noch nicht weiß, wo ich abends mein Dasein friste und nachts mein Haupt zum Schlafen niederlege. Insofern ist mir das Kanuwandern mit all seinen kleinen und großen Abenteuern, Entbehrungen, aber auch Schönheiten passend auf den Leib geschneidert. Mir macht es auch nichts aus, zum Frühstück ein Dose mit kaltem Ravioli zu essen, weil der Brennspiritus für den Sturmkocher und alle Essensvorräte aufgebraucht sind. Ich benötige auch nicht jeden Tag eine heiße Dusche und frische Rasur. Auf das Fernsehen als täglichen Zeitvertreib kann ich auch zu Hause problemlos verzichten. 

Meine Sicht der Dinge und des Kanuwanderns ist meine persönliche Einstellungssache. Andere dürfen andere Einstellungen haben. Nur eins dürfen diese Andersdenkenden nicht: Mit mir gemeinsam auf einem langen, schönen Fluss mit Kanus unterwegs sein! Es ist schon ziemlich wichtig für das Gelingen einer mehrwöchigen Tour, dass alle Teammitglieder zumindest ähnliche Einstellungen zum Leben und zum Kanuwandern haben. Denn tägliche Diskussionen über die Sinnhaftigkeit unseres Tuns braucht kein Mensch.

Natürlich sind Meinungsverschiedenheiten beim Planen möglich, auch ein bisschen Streit! Das ist erlaubt – so im Laufe eines langen, anstrengenden Tages, an dem mancher an seine Leistungsgrenze kommt, oder darüber hinaus. Aber eine Grundsatzdiskussion zum Thema „Und das soll Urlaub sein?“, die führe ich mit meinen Paddelkumpanen nur einmal. Sollte jemand mit dem Ergebnis einer solchen Aussprache nicht zufrieden sein, dann trennen sich unsere Wege.

Am liebsten bin ich mit Leuten unterwegs, die einen schönen, langen Paddeltag vom ersten Augenaufschlag bis zum Einschlafen so ähnlich erleben und empfinden wie ich:

Draußen am Fluss im winzigen, feuchten Zelt werde ich meist sehr früh wach. Das hat mehrere Gründe:

Erstens beginnen die Vögel auch wach zu werden und lauthals zu zwitschern. Diese herrliche, natürliche, harmonische Geräuschkulisse gefällt mir. Sie unterscheidet sich wohltuend vom widerlich rasselnden Wecker und dem beunruhigend aufbrausenden Lärm des morgendlichen Berufsverkehrs bei uns zu Hause.

Zweitens bin ich schon so gespannt auf den neuen Tag, dass ich mich immer  freue, wenn am östlichen Horizont die Morgendämmerung heraufzieht. Länger im Zelt zu liegen, als nötig, das ist für mich Zeitverschwendung. Ich werde zapplig und will raus! Ich möchte keine Minute Licht und Leben verpassen. Denn ich empfinde die Morgenstunden als die schönsten des Tages. Morgenstund’ hat Gold im Mund’ – besonders am Wasser.

Drittens muss ich so gegen 5 Uhr morgens immer dringend pinkeln. Das ist lästig, aber Fakt! Danach wieder ins feuchte Zelt zu robben und weiter zu schlafen, gelingt mir nur, wenn ich abends zuvor am Lagerfeuer eine Flasche Wein alleine getrunken habe. Das kommt schon mal vor, aber nicht täglich.

Viertens bin ich eh ein Frühaufsteher und mag nicht, wenn ich mit Langschläfern unterwegs bin!

Also krieche ich jeden Morgen kurz vor Sonnenaufgang aus dem Schlafsack, streife Hose, Hemd und Gummistiefel über und fluche stets aufs Neue, wenn mir im niedrigen Vorzelt die dicken Kondenswassertropfen in den Hemdkragen fließen.

Ich atme tief durch und genieße den typischen Geruch von nasser Erde und vermodertem Laub. Das Gras und die Spinnweben dazwischen glitzern vom Tau und Nebelschwaden ziehen über den leise gurgelnden Fluss. Im Osten färbt sich der Himmel rötlich. Es verspricht wieder ein sonniger Tag zu werden.

Um die noch rauchende Feuerstelle herum sieht es gewohnt chaotisch aus. Klebrige Blechtassen, leere Bierdosen und Weinflaschen liegen zwischen als Sitzbänke missbrauchten Packsäcken und zeugen von einem feuchtfröhlichen Vorabend. Ich räume auf, sammle den Müll ein, schnappe mir eine Thermotasse und reinige sie mit Flusswasser. Dann setze ich auf dem Trangia-Sturmkocher Kaffeewasser auf! Mit einer Doppelhubpumpe entfache ich die winzige Restglut zu neuem Leben und bringe mit angebrannten Holzresten das Lagerfeuer wieder in Gang. Sein Rauch vermischt sich würzig mit den übrigen Gerüchen der Flussaue und dem Duft des frisch aufgebrühten Kaffees. Das törnt mich mehr an als jedes Rasierwasser!

Sobald die ersten Sonnenstrahlen unser Lager erreichen, schwimme ich eine Runde nackt im Fluss und beobachte, wie auch Samira und Astrid zum Morgenbad ins Flusswasser steigen. Anschließend lassen wir uns von den lodernden Flammen des Lagerfeuers  und der Sonne ganz ohne Handtuch trocknen.

Dann kommt die Zeit des Filmens und Fotografierens. Profis machen das nur morgens und abends. Ich auch, obwohl ich kein Profi bin. Denn dann ist das Licht am schönsten und erzeugt kräftige Farben. Ich liebe es bunt! Beim Kanuwandern fehlt allerdings oft die Zeit, um nur optimale Lichtverhältnisse zu nutzen. Denn gepaddelt wird meist zu der Tageszeit, wenn die Sonne hoch am Himmel steht und fahle Farben mit Blaustich auf den Speichermedien erzeugt.

Da ich nun mal die ersten Stunden des neuen Tages mit ihrem kräftigen Streiflicht so besonders liebe und auch zu dieser Zeit am liebsten filme und fotografiere, habe ich stets ein Überangebot an Bildern vom Fluss und unserem Lagerleben am Morgen. Um die Mittagszeit muss ich mich zum Fotografieren zwingen. Ich mache es auch nur dann, wenn ich wichtige Bildmotive für ein Buch oder Zeitschriftenartikel brauche. Abends bin ich oft zu müde für „unnötige“ Aktivitäten.

Spätestens wenn ich mit meiner morgendlichen Foto- und Filmsession zu Ende bin, erwarte ich von meinen Mitreisenden, dass sie auch so allmählich in die Gänge kommen. Beim gemeinsamen Frühstück rund ums Feuer besprechen wir den Tagesplan – A, B und C. Wie weit wollen wir, wie weit können wir, wie weit müssen wir? Für mich ist es wichtig, dass auf allen Touren alle Paddelkumpane mitdenken und mitplanen – auch wenn ich der alleinige Initiator der Flussreise bin. Jeder bekommt von mir eine wasserdicht verschweißte Flusskarte, eine Kopie des Flussführers und nach Möglichkeit alle Fluss-Infos, die ich bereits bei der oft monatelangen Vorbereitung gesammelt habe. Ich mag es, wenn jeder Mitverantwortung für das Gelingen eines Tages, für die Lösung von Problemen und für das Erreichen unseres Zieles übernimmt! Ich liebe es, wenn ich mit einem eingespielten Team unterwegs bin, in dem sich alle blind verstehen!

Natürlich muss ein Team erst zusammenwachsen. Wenn sich die Crew-Mitglieder noch gar nicht alle kennen, wie bei unserer Donautour, dann sind die ersten Tage besonders spannend. Klappt alles wie am Schnürchen – oder ist zuviel Sand im Getriebe?

Das zeigt sich schon morgens kurz nach dem Frühstück. Wir haben es dann alle plötzlich eilig beim Lagerabbau, Verpacken und Verstauen der Ausrüstung. Keiner möchte letzter sein! Einige bekommen Stress – wegen fehlender Routine, falscher Packmethode oder zusätzlicher Arbeit. Letzteres betrifft in der Regel mich. In den zurückliegenden Jahren habe ich während all unserer Touren so ganz nebenbei Artikel für Zeitschriften und Websites oder gar ganze Kanubücher geschrieben – und alles mit veröffentlichungswürdigen Fotos illustriert. Das ist anstrengender und zeitaufwändiger, als manche glauben. Seitdem ich damit angefangen habe, über unsere zahlreichen Touren parallel zum Planen, Schreiben und Fotografieren auch noch brauchbare Video-Clips so locker-flockig „aus der Hüfte“ zu schießen, seitdem bin ich leider stets als letzter startklar – und auf Hilfe angewiesen.

Diese Zeit des Packens am Morgen, die wird, glaube ich, von allen Kanuwanderern auf dieser Welt gehasst – auch von mir. Man steht vor einem Berg unordentlicher Ausrüstung und fragt sich jeden Morgen aufs Neue: „Wie soll das alles in die Kajaks passen?“ Tja, gut Ding braucht Weile! Und das ist das Schlimmste! Während die Sonne und das Thermometer immer höher steigen und der Fluss seines Weges zieht, vergeuden wir die kostbaren Morgenstunden. Unter leisen Flüchen reinigen wir verschmutztes Geschirr, kratzen verrußte und angebrannte Kochtöpfe aus, komprimieren Schlafsäcke und entlüften Luftmatratzen. Die Minuten und Stunden beim Packen verrinnen täglich aufs Neue. Durch wachsende Routine sparen wir allmählich ein bisschen, aber nicht entscheidend viel Zeit ein.

So richtig deprimierend wird es, wenn die ersten Paddler mit einem fröhlichen „Ahoi!“ an uns vorbei flussabwärts ziehen. Kommt dann von denen noch so eine Bemerkung wie:   „Ihr seid aber spät dran!“, dann...! Ja dann könnte ich alles liegen und stehen lassen und in den nächsten Flieger steigen, um auf einer der üblichen Touristeninseln ganz normalen Urlaub zu machen. Dann säße ich jetzt noch gemütlich und entspannt auf einem bequemen Stuhl vor einem üppigen Frühstück mit Blick aufs Meer, statt auf allen Vieren schwitzend und fluchend viel zu große Packsäcke in viel zu kleine Kajaks zu quetschen.

Aber dann kommt doch noch jeden Morgen der Moment, der mich glücklich und zufrieden macht. Wir sitzen alle in unseren Kajaks und ziehen weiter! Dieses Weiterziehen, das ist es! Das ist der Reiz des Kanuwanderns! Dieses Weiterziehen bedeutet nicht nur einen Ortswechsel von A nach B oder von B nach C. Nein, es bedeutet Freiheit und Abenteuer. Wir sind selbständig, autark, haben unseren gesamten Hausstand an Bord und können im Prinzip weiterziehen bis an das Ende der Welt. Wir können tun und lassen, was wir wollen!

Natürlich kommen wir auf einem Fluss – ähnlich wie per Bike und Pedes – nur im Schneckentempo voran. An Fliegern rast, an Autos braust, an Motorrädern knattert, an Kanus „fließt“ die Welt vorbei. Ich liebe beim Kanuwandern die Langsamkeit. Sie erlaubt mir, alles um mich herum genau wahrzunehmen. Ich muss keine kurzen Ein- oder Ausblicke erhaschen, sondern kann sie in aller Ruhe genießen. Und wir können ein ganze Menge sehen, hören, riechen, fühlen, spüren und erleben!

Beim stillen Dahingleiten auf dem Fluss fällt so ganz allmählich die gewohnte Alltagshektik von mir ab. Es entsteht und wächst in mir ein neuer Tagesrhythmus, den das Kanu, der Fluss, meine Körperkräfte, mein Wille und gelegentlich noch das Wetter über meinem Kopf bestimmen. Diese neue Zeit braucht keinen Wecker, keine Stechuhr und keinen Chef, sie kommt ohne exakte Fahrpläne und Zielvorgaben aus. Wir reisen nicht ohne Ziel, aber ohne Zeitdruck. Kanuwanderer brauchen viel Zeit, Zeit zum Genießen. Denn im Genießen liegt der eigentliche Sinn des Kanuwanderns.

Das fängt schon mit dem naturverträglichen Paddeln an. Ich liebe beim Kanuwandern nicht nur die Langsamkeit, sondern auch die Ruhe! Nie und nimmer würde ich weder auf dem größten Strom, noch auf dem endlosen Meer mein lautloses Kanu gegen ein brüllendes Motorboot eintauschen!

Beim Dahingleiten beobachte ich mit Freude, wie der Bug meines Kanus die glatte oder raue Wasserfläche zerteilt und symmetrische Wellenbewegungen erzeugt. Mein harmonisch und funktionell geformtes Paddel liegt satt und ausgewogen in meinen Händen. Mit mir als Motor bewirkt es neben unzähligen, schön anzuschauenden Wirbeln und Ministrudeln eine sicht- und fühlbare und deshalb auch genießbare Fortbewegung. Sie ist zwar vergleichsweise langsam, deshalb aber auch viel intensiver wahrnehmbar als etwa beim Sitzen im Hightech-Auto, das mit 180 km/h über die Autobahn „fliegt“, ohne dass man das gefährlich hohe Tempo überhaupt noch wahrnimmt!

Das Wanderpaddeln „lebt“ auch von den vielen, schönen Pausen. Die notwendige Zeit hierfür muss bei der täglichen Tourenplanung unbedingt einkalkuliert werden. Denn ein Fluss bietet täglich viele natürliche oder „kulturelle“ Örtlichkeiten, an denen man nicht hektisch, achtlos und unter Zeitdruck vorbeipaddeln sollte.

Hat man Kinder an Bord, dann achten die schon darauf, dass das Baden nicht zu kurz kommt. Hierfür eignen sich natürlich besonders einsame Buchten fernab von Ortschaften mit Sandstränden. Schon oft hat ein überraschend auftauchender Badestrand mit schattigen Uferbäumen unseren ganzen Tagesplan durcheinander gebracht. Aber Pläne sind auch dazu da, dass man sie spontan ändert. 

Hat man Senioren an Bord, dann finden natürlich auch einladende Biergärten am Ufer gebührende Beachtung. Dasselbe gilt für Eiscafes, Trinkbuden, Marktstände, Tante-Emma-Läden, markante, historische Bauwerke wie Kirchen, Klöster und Dome.

Auf einem Strom von der Größe, Fließgeschwindigkeit und Schönheit der Donau zwischen Passau und Wien sind Tagesetappen von mehr als 30 km nur unter konsequenter Missachtung aller natürlichen und kulturellen Highlights möglich. Wir schaffen selten mehr!

Und dann wird es unweigerlich Abend. Abend bedeutet wieder Hektik und Sorge. Wo schlagen wir unser Lager auf? Verdammt, Plan A mit Campingplatz zum Ausklang war falsch! Der kommt erst 10 Kilometer weiter. Die Strecke schaffen wir heute nicht mehr! Jetzt kommt Plan B. Er verlangt bereits ein gewisses Maß an Flexibilität. Vor uns muss eine große Flussinsel sein. Vielleicht ist die für eine Nacht „bewohnbar“. So ist es. Glück muss man öfter schon mal haben beim Wanderpaddeln.

Besonders großes Glück hat man, wenn man eine bewaldete, herrenlose Flussinsel mit flacher Sandbucht und ebenen Zeltplätzen hochwassersicher drei Meter höher entdeckt. Außerhalb Skandinaviens ist „wildes“ Campieren außerhalb von offiziellen Zelt- und Campingplätzen verboten. Das weiß doch jeder – wir auch! Trotzdem: Meine Erfahrung lehrt, dass Menschen in Not nicht verhaftet werden, wenn sie sich mal ausnahmsweise außerhalb offizieller Plätze zum Schlafen niederlegen.

Wir machen das nach Möglichkeit unauffällig. Deshalb sind unbewohnte Flussinseln erste Wahl. Da sieht, hört und findet uns so schnell niemand! Wir lassen auch grundsätzlich nichts zurück, was unsere Anwesenheit im Nachhinein verraten könnte.

Natürlich kann man beim Wanderpaddeln auch mal richtig Pech haben. Plan A ist falsch, Plan B ergebnislos! Jetzt kommt Plan C! Es wird bereits dunkel und wir müssen raus! Egal, wo! Egal wie! Koste es, was es wolle! Denn einen Plan D gibt es nicht! Eine Übernachtung im Kanu auf dem Fluss ist lebensgefährlich! Bei Plan C landen wir gelegentlich in weitläufigen Brennnesselfeldern, sumpfigen Mückenlöchern oder auf geteerten Fahrradwegen – wie auf der hier beschriebenen Donautour.

Hat man ständig Pech, dann stimmt irgendwas mit der Tourenlogistik nicht! Dann muss man was Grundsätzliches ändern! Die Planung, den Fluss, die Urlaubsart. Doch beim Kanuwandern über mehrere Wochen halten sich Glück und Pech in der Regel die Waage. Wer auf Planungssicherheit und verbindlich gebuchte Übernachtungsquartiere im Leben nicht verzichten kann oder will, der sollte sich auf der Donau der oben erwähnten TID anschließen.


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Moderne Nomaden 

Auf und an der großen Donau beobachten wir ein buntes Treiben und stellen erstaunt fest: Wir sind hier keineswegs die einzigen Wanderer zwischen den Welten. Besonders auffällig sind die vielen, schwer beladenen Radler, die wie wir mit Sack und Pack durchs Donautal ziehen. Sie sind hier eindeutig in der Überzahl, was aber gar nicht verwunderlich ist, gehört der Donauradweg von Passau nach Budapest doch zu den schönsten der Welt.

Wir Paddler profitieren ein wenig von der optimalen Radler-Infrastruktur – bezüglich Gaststätten, Weinstuben, Biergärten, Trinkbuden und Schnellimbissen. Der breite Radweg führt meist direkt am Fluss entlang, nicht selten sogar beidseitig. Die Gastronomie, aber auch Hotels, Gasthöfe und Pensionen sind auf Durchgangsgäste eingestellt. Kanuten, die gelegentlich mal oder ständig ein festes Dach über dem Kopf haben wollen, finden in jedem Ort an der Donau eine Zimmervermittlung und Unterschlupf – vorausgesetzt, sie haben einen funktionellen Kanuwagen an Bord. Kanus kann man nicht unbeaufsichtigt über Nacht am Ufer liegen lassen. Man muss sie zum Ort der Übernachtung karren.

Doch Radler und Kanuten sind nicht die einzigen Donau-Nomaden. Da gibt es die riesige Flotte der Personenfähren, der Linienschiffe und der Kreuzfahrtdampfer. Auf letzteren sind die Mitreisenden wie wir in unseren vergleichsweise winzigen Kajaks mehrere Tage oder auch Wochen unterwegs. Eine Schiffsreise auf der Donau von Passau nach Budapest oder umgekehrt – und darüber hinaus – erscheint uns schön und lohnenswert, besonders in Kombination mit Kanu oder Rad. Wir ziehen in Erwägung, am Endpunkt unserer Kanureise mit einem Motorschiff die Rückreise zum Startort zu organisieren.

Zur Kategorie der Donau-Urlaubsnomaden gehören auch noch die Motoryachtbesitzer. Motorisierte Schlafboote aller Art ziehen lautstark dröhnend oder erträglich tuckernd flussauf- und flussabwärts. Manche gehen mit uns Kanuten recht rücksichtslos um, indem sie beim Passieren unserer Kajakflotte ihre beeindruckende Motorleistung nicht drosseln. Sie übernachten in der Regel in den vor Wellengang geschützten Motoryachthäfen an Gaststegen.

Außer den modernen Urlaubsnomaden gibt es natürlich noch die traditionellen Berufsschiffer. Kleine, große, alte, rostige, neue Schiffe, beängstigende Schub-Verbände, stinkende Tanker und  schwer beladene Frachter schwimmen auf dem großen Strom. Für ihre Besatzungen sind sie das mobile zu Hause. Sie haben Frauen, Kinder, Autos und Haustiere an Bord. Sie stammen aus allen Anrainerstaaten der Donau und des Rhein-Main-Donau-Kanals vom Schwarzen Meer bis Rotterdam. So wird die Donau zur europäischen „Begegnungsstätte“, zum internationalen „Nomaden-Treff“, zum Strom der „Europäischen Union“. Auch das macht den Reiz dieses Flusses aus – für alle, die sich auf ihm und an seinen Ufern seit Jahrhunderten bewegen.

Hiermit dürfte klar werden, dass die Donau nicht allein den Kanuten gehört. Die Donau ist kein typischer Paddelfluss wie Lahn, Semois, Dordogne oder Loire. Das hat Nach-, aber auch Vorteile. Die Donau besitzt außer den mit Bootswagen ausgestatteten und asphaltierten Umtragestellen an den Stauanlagen keine ausgeprägte paddeltouristische Infrastruktur. Die hat sich bisher dort finanziell nicht gelohnt. Hier dominieren eindeutig die Radler und motorisierten Nomaden. Kanuten sind eine verschwindend kleine, sanft und leise auftretende Minderheit. Deshalb werden sie von den an der Donau lebenden Menschen noch freudig bemerkt, bestaunt, begrüßt und freundlich behandelt. Das kann man von den typischen, überlaufenen Paddelflüssen dieser Welt nicht gerade behaupten.

Wir genießen es daher auf unserer Donautour 2006, bei „Freunden willkommen“ zu sein. Damit haben wir eigentlich nicht gerechnet. Bei früheren Kanureisen in anderen Regionen Europas haben wir anderes erlebt. Dieser Spruch „Willkommen bei Freunden“ und unsere Deutschlandfähnchen an den Hecks unserer Kajaks sind eine „Nachlese“ der bemerkenswerten Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, die als „Sommermärchen“ gerade zu Ende gegangen ist und meiner Meinung nach neue Akzente und Signale in die Welt gesendet hat.

Ich bin vom Denken her „Internationalist“ und hasse jede Art von überzogenem Nationalismus. Auch wenn wir „Flagge zeigen“: Wir sind NICHT „stolz darauf, Deutsche zu sein“. Wir Deutsche haben in unserer Geschichte ebenso viel Elend wie Fortschritt in die Welt gebracht. Nationalstolz kann ich nicht empfinden und halte ihn auch bei den anderen Völkern des sich vereinigenden Europas für unangebracht. Aber es ist schön, wenn die Völker Europas und ihre einzelnen Menschen in ihrem Denken, Verhalten und Aussehen, ihrer Kultur und Tradition möglichst unterschiedlich bleiben. Das wird in Zeiten allumfassender Globalisierung bis in jedes private Wohnzimmer hinein immer schwieriger. Deshalb hat ein gemäßigter, andere Völker und Religionen nicht diskriminierender Nationalismus zur Erhaltung völkerspezifischer Eigenheiten auch für mich als Europäer seine Berechtigung.

Das wollte ich hier mal loswerden. Solche Gedanken kommen einem natürlich  besonders bei einer längeren Paddeltour auf der Donau, deren Wasser durch Länder fließt, deren Menschen auch im modernen Europa in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht besonders freundlich miteinander umgegangen sind. Wir sind schon heute sehr gespannt darauf, was wir bei unserer Donaureise erleben werden, sobald wir Österreich den Rücken gekehrt haben, in der Slowakei, in Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und der Ukraine. Werden wir auch dort freundlich empfangen? Sind wir willkommen?


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Von der Freundlichkeit der Donaumenschen 

Bei unserer Lieblingsbeschäftigung, dem nomadisierenden Reisen durch die Welt, wollen wir stets Land UND Leute kennen lernen. Das Erforschen eines Landes geht einfach, bei der Begegnung mit fremden Leuten gestaltet sich die Sache schon schwieriger. Sprachbarrieren, Vorurteile, Schüchternheit, Angst oder Desinteresse verhindern oft die sinnvolle und notwendige menschliche Begegnung.

An der Donau zwischen Passau und Wien werden wir von der Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der dort lebenden Menschen überrascht. Zumindest erscheinen sie uns so ungewöhnlich, dass ich hier einige Highlights erwähnen möchte. Als Wanderkanute durch ein schönes Land mit aufgeschlossenen, freundlichen Leuten zu ziehen macht mehr Spaß, als ständig abweisenden, verschlossenen, ja feindlichen Gesichtern zu begegnen.

Im Yachthafen von Obernzell beim schweißtreibenden Packen unserer Kajaks kommen interessierte Stockschützen aus dem nahe gelegenen Vereinsheim auf uns zu und laden uns zum kühlen Bier ein.

Der freundliche Bürgermeister von Obernzell kommt sogar sonntags auf unsere Bitte hin zum Yachthafen, um uns für sehr wenig Geld dringend benötigte Abstellplätze für unsere vier Autos zu verschaffen.

Wenn in Ortschaften und Schrebergärten am Fluss, auf Brücken und Schiffen oder am Donau-Radweg Menschen stehen, dann winken sie uns zu und schauen uns lange interessiert hinterher. Sind wir nahe genug dran für ein Gespräch, dann kommt stets die Frage nach dem Woher und Wohin.

Auf Campingplätzen und in Gasthöfen können wir auf freundliche Anfrage stets unsere Kamera-Akkus kostenlos aufladen.

Als unsere Reisegefährtin Traudel auf der Tour irgendwo zwischen Linz und Krems wegen Erschöpfung aussteigt, fahren am Ufer campierende Österreicher sie mit ihrem PKW zum Bahnhof nach Linz und setzen sie in den richtigen Zug nach Frankfurt. Am Abend zuvor haben uns diese Leute zum Umtrunk an ihr Lagerfeuer eingeladen.

Als wir am Campingplatz in Au anlanden, sind wir zu müde, um die schweren Kajaks noch zur offiziellen Zeltwiese schleppen zu wollen. Wir bitten darum, direkt am Fluss campieren zu dürfen. Kein Problem!

Als wir in einer Bucht bei Wallsee zwecks Mittagspause anlanden, spendieren uns splitternackte, ältere Motoryachtbesitzer vom FKK-Strand nebenan einige Stücke ihres Geburtstagskuchens.

Jung-dynamische Wasserskifahrer mit Hightech-Boot und Kühlschrank spendieren unserem dürstenden und darbenden Alterspräsidenten Werner mitten auf dem Strom ein eiskaltes Bier.

Der Schleusenwärter in Melk reagiert äußerst freundlich auf die „säuselnde“ Stimme von Astrid und schleust uns mitten im dicksten Berufsverkehr alleine durch die Riesenschleuse.

Der alte Bootshausverwalter in Greifenstein gewährt uns mitten im  Starkregen durchnässt und schmutzig „Asyl“ in seinem gemütlichen und trockenen Vereinsheim.

Die Wirtsleute vom Cafeschiff in Greifenstein lassen mich zwecks Wettererkundung ins Internet schauen und bieten uns Abstellplätze vor ihrem Schiff während der Paddeltour nach Budapest an. Sie behalten unsere Autoschlüssel, um bei Hochwasser unsere 3 Autos in Sicherheit bringen zu können.

Ein Gast im Cafeschiff hilft uns unaufgefordert bei der Zugfahrlogistik zwecks Nachholen der Autos von Obernzell nach Greifenstein und bestellt uns ein Taxi.

Wildfremde Wiener helfen Astrid, Werner und Samira unaufgefordert bei der Stadtorientierung und dem Fahren mit S- und U-Bahn.

Die Restaurantbesitzerin vom „Rostigen Anker“ in den Donauauen bei Fischamend gestattet uns, auf ihrer Wiese ein Zelt-Notlager zu errichten, ihr hübsches, vornehmes Lokal in unangemessener Kleidung zu betreten und die Toiletten dort zu benutzen. Werner darf im Lokal kostenlos mit seiner besorgten Frau in Deutschland telefonieren.

Diese Auflistung zum Beweis der Freundlichkeit der Donaumenschen wäre fortsetzbar, doch genug. Natürlich gibt es dort – wie überall – auch unfreundliche Leute. Eine Begegnung mit einem Vertreter dieser Gattung Mensch ist mir besonders nachhaltig in Erinnerung geblieben:

Plan A ist wieder mal falsch. Den morgens ins Auge gefassten Übernachtungsplatz in Zwentendorf bei km 1974,5 können wir nicht mehr erreichen. Das Wetter ist umgeschlagen und wir werden von einem heranziehenden Gewitter bedroht. Im neuen DKV-Donauführer und in einem aktuellen Donau-Radführer entdecken wir den Hinweis auf eine Zeltmöglichkeit im Yachthafen von Traisenmauer bei km 1988. Und tatsächlich: Plan B scheint optimal zu sein. Wir finden den Yachthafen, eine bequeme Slipanlage und direkt daneben einen ebenen Wiesenstreifen für mehrere Zelte – aber leider keinen Hafenmeister, bei dem wir uns die Erlaubnis zum Bleiben einholen können. Nahe am Hafenbecken steht eine hübsche Gaststätte, die uns fürs erwünschte Komfortessen am Abend geeignet erscheint. Wir essen selten in Lokalen, aber wenn, dann richtig. Geschäftstüchtige Gastronome haben dann stets ihre helle Freude an unserer Anwesenheit – die Lokalbesitzerin im Yachthafen von Traisenmauer leider nicht. Als Astrid hingeht, um unser Bleiben zu signalisieren und unseren abendlichen Gaststättenbesuch mit 8 Leuten anzukündigen, erhält sie eine Abfuhr. Wir sollen verschwinden! Hier ist kein Zeltplatz. Wir sind unerwünscht!

Das ist ein Schock! Damit haben wir nicht gerechnet! Unsere Kajaks haben wir schon aus dem Wasser gehoben und damit begonnen, unser Zeltlager aufzubauen. Eile ist geboten. In Kürze wird ein Unwetter über uns hinwegfegen. Willkommen oder nicht, wir müssen bleiben! Eine Alternative haben wir nicht mehr!

Als wir mit dem Aufbau des Lagers fast fertig sind und die ersten dicken Regentropfen fallen, taucht der Hafenmeister auf! Ein kurzgeschorener, solargebräunter Schönling mit goldenem Ohrring. Solche Typen gehören normalerweise nicht zwingend zu meinen Freunden. Und so ist es. Wir sollen abbauen und mit dem Taxi zu einem Campingplatz im Hinterland fahren – sofort! Ich entschuldige mich, schildere unser Woher und Wohin, erkläre unsere Notlage, verweise auf die Zeltplatz-Hinweise in den aktuellen Donauführern und biete campingplatzübliche Übernachtungsgebühr an! Aber sinnlos! „Macht Meldung beim Herausgeber eures Flussführers! Der Eintrag ist falsch! Paddler wie euch können wir hier nicht gebrauchen!“ Der Mann bleibt stur. Nun denn, dann bin ich das auch! Ich lasse ihn einfach stehen und signalisiere meinen abwartenden Paddelkumpanen: „Wir bleiben!“ Alles andere wäre lebensgefährlich! Grollender Donner kommt immer näher! Jeder macht sich wieder an die dringende Arbeit, das Zeltlager sturmsicher herzurichten!  Astrid beginnt mit dem Kochen des Abendessens auf dem Trangia-Sturmkocher! Wir sind nicht angewiesen auf Lokale, die unser Geld nicht wollen. Und siehe da, der Schönling lenkt ein – nicht aus Einsicht, sondern wohl aus Angst, wir könnten seine gepflegte Hafenanlage großflächig zuscheißen! (Sorry, wenn ich wütend bin, werde ich sprachlich vulgär!)

Einige Meter von unserem Zeltlager entfernt steht ein kleines Holzhaus, in dem sich zu unserer Überraschung mehrere Toiletten und Duschen befinden. Für 3 Euro pro Person bekommen wir 2 Schlüssel zwecks Benutzung der Sanitäranlagen ausgehändigt. Warum nicht gleich so? Trotzdem: Ich weise hier ausdrücklich darauf hin, dass der Yachthafen von Traisenmauer keine geeignete Übernachtung für freundliche Kanuten zu bieten hat und das der Eintrag im Donau-Flussführer 2005 falsch ist!


 

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, über eine Kanutour, den Fluss, die Paddellogistik, die Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse zu berichten. Ich wähle hier der Ordnung, Authentizität und notwendigen Kürze willen eine Mischung aus Flusstagebuch und Infokästen, in denen die planungsrelevanten Informationen gesammelt sind, die der Donaupaddler für die Tourenplanung braucht.


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KLICK HIER!  -  http://www.kanukassel.de/686639/827130.html  

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Die Reise der Donauten  -  aus http://www.kanu-magazin.org/szene/news/die-reise-der-donauten/

06. Mai 2010

Mit dem Kanu einem Fluss von der Quelle bis zur Mündung zu folgen, ist wohl der Traum vieler Paddler. Lars und Niels Hoffmann haben sich in ihrem jüngsten Projekt hierfür den zweitlängsten Strom Europas ausgesucht. Über mehrere Monate begleiten sie diesen Sommer die Donau mit Kanadier und Fotoausrüstung von Donaueschingen bis ins Schwarze Meer.

Über 2800 Kilometer durchfließt die Donau West-, Mittel- und Osteuropa, bevor sie sich an den Grenze zum Orient in das Schwarze Meer ergießt. An ihren Ufern trafen Römer und Barbaren, Christentum und Islam, Katholizismus und Orthodoxie aufeinander – die Donau war seit der Antike Mittlerin und ebenso Scheidungsgrenze zwischen den Kulturen. Zehn Anrainerstaaten gibt es entlang des Flusses, und eine Fahrt stromabwärts führt von Staat zu Staat, von Volk zu Volk.

Die Donau ist auch ein Fluss der unterschiedlichsten Landschaften und Naturräume. Während der Oberlauf durch das Wechselspiel von engen Flusstälern und Gebirgsdurchbrüchen geprägt ist, spaltet sich der Strom nach etwa 1000 Kilometern und umfließt große Inseln, an den Ufern türmen sich die ungarischen Berge. Im Unterlauf trifft der Reisende auf ausgedehnte Tiefebenen und Flachlandschaften und schließlich auf die einzigartige Landschaft des Donaudeltas, ein Labyrinth aus Wasserströmen und zahllosen Inseln. Dahinter folgt die Weite des Schwarzen Meers.Auf Ihrem Weg nach Osten werden Lars und Niels Hoffmann, die der KANU-Community bereits aus Berichten von der Mecklenburgische Seenplatte bekannt sind, die »Gesichter der Donau« fotografieren: Menschen und Landschaften.

Während der Reise und ihrer fotografischen Arbeit werden die zwei von einem kompletten Drehstab begleitet und sind die Protagonisten einer sechsteiligen Reisedokumentation.
Die HD-Produktion erfolgt im Auftrag von 3sat / ZDF. Zur Leipziger Buchmesse soll ein sendungsbegleitender Bildband erscheinen.

Den Weg der zwei »Donauten« kann man live verfolgen auf dem DONAUTEN-Blog und bei Facebook. Zusätzlich werden Lars und Niels im Sommer hier auf kanumagazin.de in einer wöchentlichen Kolumne von ihren Reiseabenteuern berichten.

Weitere Infos über Lars und Niels Hoffmann gibt es im Netz unter www.cold-nose.de.

http://www.cold-nose.de/PROJEKT_DONAU.html


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